Japan – Geschichte

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Die Bildung eines Staatswesens begann in Japan im 5. Jahrhundert unter kulturellem Einfluss des chinesischen Kaiserreichs. Seit dem 16. Jahrhundert stand Japan im Kontakt mit dem Westen und stieg seit dem 19. Jahrhundert zur Großmacht auf, erwarb Kolonialbesitz und nahm an beiden Weltkriegen teil. Eine aggressive Expansionspolitik in China mündete in den Pazifikkrieg und die Niederlage an der Seite der Achsenmächte. Japans Vergangenheit als Kolonial- und Besatzungsmacht belastet noch heute die Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten.

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Sprache und Schrift

Die Landessprache ist Japanisch und wird von nahezu der gesamten Bevölkerung und den meisten Minderheiten gesprochen. Es existieren zahlreiche regionale Dialekte.

Die japanische Sprache verwendet neben den chinesischen Schriftzeichen (kanji) zwei eigene Silbenschriftsysteme (Hiragana und Katakana), die von chinesischen Schriftzeichen abgeleitet sind. Straßen, Bahnhöfe und Ähnliches sind meist in Kanji und in lateinischer Umschrift (Rōmaji) beschildert.

Minderheitensprachen autochthoner Völker in Japan sind das nicht mit dem Japanischen verwandte Ainu im Nordteil der Insel Hokkaido und die mit dem Japanischen verwandten, aber eine eigenständige Gruppe bildenden Ryūkyū-Sprachen auf den gleichnamigen Inseln.

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Religion

In Japan haben immer mehrere religiöse Glaubensformen nebeneinander bestanden. Die wichtigsten sind der Shintō, der sich von der japanischen Urreligion herleitet, und der Buddhismus, der Japan im 5. oder 6. Jahrhundert erreichte. Heute gehören über 80 % der Japaner beiden Hauptreligionen gleichzeitig an, daher wird die religiöse Grundeinstellung in Japan als synkretisch bezeichnet.

Der japanische Buddhismus ist in viele verschiedene Sekten (Schulen, Richtungen) gegliedert, die fast alle dem Mahayana-Buddhismus angehören. Zu den bekanntesten buddhistischen Richtungen in Japan zählen der Zen-Buddhismus, der Amitabha-Buddhismus und der Nichiren-Buddhismus. In der Religion Japans gibt es darüber hinaus chinesische Einflüsse durch Daoismus und Konfuzianismus, die von Shintō und Buddhismus aufgenommen und integriert wurden.

Das Christentum spielte in der Geschichte Japans vor allem im 16. und 17. Jahrhundert eine gewisse Rolle, nimmt aber heute nur noch eine Randstellung ein.

Ein wichtiges Element stellen die „Neuen Religionen“ dar, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer stärker ausbreiten und oft eine eigenwillige Mischung aus Shintō, Buddhismus und anderen Weltreligionen propagieren. Seit dem Zweiten Weltkrieg herrscht gegenüber diesen Richtungen eine besonders große religiöse Toleranz, sodass gegenwärtig rund 300 solcher Glaubensgemeinschaften amtlich gelistet sind.

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Kultur

In der modernen japanischen Kultur gehen viele Elemente auf die ganz eigene Tradition des Landes zurück, wodurch Japan im Kreis der
Industrienationen seinen individuellen Charakter bewahrt hat.

In der Archäologie sind die ersten Zeugnisse der kulturellen Frühgeschichte Keramiken der Jōmon- und Yayoi-Periode.

Ab dem 4. Jahrhundert kamen dann viele Elemente der chinesischen Kultur nach Japan, zuerst Landwirtschaftstechniken wie der Reisanbau und Handwerkstechniken wie Bronzeschmiedekunst und der Bau von Hügelgräbern, dann ab dem 7. Jahrhundert auch die Schriftkultur und die Fünf Klassiker, der Konfuzianismus und der Buddhismus.

In der Heian-Zeit kam es zu einer ersten Blüte, als der Hofadel aus dem chinesischen Erbe eine eigenständige japanische Dichtung und Literatur entwickelt.

In den darauf folgenden Epochen wurde das Land immer wieder von Bürgerkriegen verwüstet, wodurch der Schwertadel, die Bushi (später als Samurai bezeichnet), zur wichtigsten Schicht aufstieg. Neben der Kriegskunst und der Schwertschmiedekunst bildete sich auch eine neue Form des Buddhismus, der Zen, heraus, der den Kriegern zusprach.

Erst in der Edo-Zeit im 17. Jahrhundert, unter den Tokugawa, kam das Land wieder zur Ruhe. Die Samurai wurden zu einer Beamtenschicht, die ihre Kriegertugenden in den Kampfkünsten (武術 bujutsu) bewahrte. Der Einfluss des Zen spiegelte sich nun auch in Dichtung, Gartenkunst, Malerei (Sumi-e) und Musik wider. Durch Frieden und wirtschaftlichen Aufschwung kam in dieser Zeit auch die vierte Schicht, die Händler, zu Reichtum. Da ihnen der soziale Aufstieg verwehrt war, suchten die Händler in der Kunst einen Weg, die Samurai zu übertrumpfen. Sie förderten Teehäuser, in denen die Geishas die Teezeremonie, Blumensteckkunst, Musik und Tanz praktizierten. Sie förderten auch das Kabuki-Theater. In den Städten bildeten sich besondere Vergnügungsbezirke, besonders in Edo, wo die Daimyō das halbe Jahr unter der direkten Kontrolle des Shōgun verbringen mussten.

Eine dritte Blütezeit der Kultur erlebt Japan jetzt in der Nachkriegszeit, in der Japan eine lebhafte Popkultur hervorgebracht hat, die westliche Einflüsse und japanische Tradition verbindet. Anime und Manga, japanische Filme und Popmusik sind auch in Übersee beliebt.

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Sport

Sport ist in Japan bereits in der Asuka-Zeit (7. Jahrhundert) nachgewiesen, als eine Gesandtschaft aus Korea am Hof der Kaiserin Kōgyoku durch einen Sumōkampf unterhalten wurde. Die Bushi, der erstarkende Kriegerstand zum Ende der Heian-Zeit (11. Jahrhundert), betrieben ebenfalls Sport als Vorbereitung auf den Kampf, in erster Linie Schwertkampf (kenjutsu), Reiten (bajutsu), Bogenschießen (kyūjutsu) und Schwimmen. In der Edo-Zeit, einer friedlichen Periode, verfeinerten die zu Verwaltungsbeamten gewordenen Samurai diese Techniken zur Kampfkunst (bujutsu), die durch den Einfluss des Zen-Buddhismus auch eine spirituelle Komponente erhielten.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden aus den klassischen Bujutsu-Künsten die heutigen Kampfkünste und Kampfsportarten entwickelt, darunter Judo, Aikidō und Kendō. Das Karate entwickelte sich in der Präfektur Okinawa.

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Etikette

Begrüßung

Anstatt sich die Hände zu schütteln, verbeugt man sich in Japan. Neben der Begrüßung hat das Verbeugen aber noch anderen Funktionen, wie zum Beispiel des Sich-Bedankens oder Entschuldigens. Je nach Rang, Geschlecht oder gesellschaftlichem Kontext gibt es unterschiedliche Formen der Verbeugung, die hierarchisch aufgebaut sind. Entscheidend hierbei sind Alter, Geschlecht und ob man Gast oder Gastgeber ist. Männer legen bei der Verbeugung die Arme seitlich am Körper an, während Frauen ihre Arme auf dem Schoß zu einem Dreieck zusammenlegen. Für beide Geschlechter gilt generell, je tiefer die Verbeugung umso höher angesehen ist das Gegenüber. So verneigt sich zum Beispiel der Untergebene tiefer gegenüber dem Abteilungsleiter, als die Abteilungsleiter untereinander. Die Ausnahme hier wäre, wenn die beiden Abteilungen eine unterschiedliche Relevanz im Unternehmen hätten.

Visitenkarten sollten mit beiden Händen überreicht werden, so, dass sie gleich lesbar sind. Zudem sollten sie gleich gelesen und erst nach der Verabschiedung, wenn das Gegenüber also nicht mehr sehen kann was man macht, in das Portemonnaie oder die Tasche gesteckt werden.

Kommunikation

das Wort “Ja” (hai) benutzen Japaner nicht wie im deutschen. Es hat eher die Bedeutung „Ja, ich habe verstanden“ oder „Ja, ich höre zu“. Die Bedeutung als konkrete Zustimmung zu einem Sachverhalt, ist in den japanischen Umgangsformen nicht verbreitet.

Japaner benutzen kein direktes „Nein“, so wie man es aus der deutschen Sprache kennt. Zwar gibt es ein japanisches Wort für Nein, dieses wird jedoch nur selten genutzt. Japaner signalisieren Ablehnung beispielsweise über ihre Körpersprache. Auch wenn derjenige Gegenüber seine negative Einstellung zum Sachverhalt äußert, kann man davon ausgehen, dass er damit „Nein“ meint.

Zwischenmenschliche Beziehungen

  • Es ist üblich, Blickkontakt zu meiden. Bei der Begrüßung zählt die Verbeugung; der Handschlag ist i.A. nicht angebracht.
  • Gäste bringen bei Besuchen kleine Aufmerksamkeiten mit; dabei sind kulinarische Kleinigkeiten/ Knabbereien angemessener als Blumen. Für Ausländer ist ein Mitbringsel (Omiyage) aus dem eigenen Heimatland am besten.
  • In Japan ist es nicht üblich, Trinkgeld zu geben. Man sollte es niemandem aufdrängen. Dies führt zu Verärgerung und wird zuweilen sogar als Beleidigung empfunden.
  • In Japan wird es als unhöflich erachtet, wenn man sich im Beisein anderer laut die Nase putzt. Das „Hochziehen“ hingegen ist üblich. Die Nase sollte man sich unbeobachtet putzen, beispielsweise in einer der öffentlichen Toiletten.
  • In Restaurants und Privathäusern zieht man die Schuhe aus und stellt diese so hin, dass man sie beim Verlassen des Hauses bequem wieder anziehen kann. Für den Gang zur Toilette und zu den Gärten stehen meist extra Schuhe oder Pantoffeln bereit.
  • Man sitzt häufig auf dem Boden. Dabei ist es unhöflich, anderen beim Sitzen die Fußsohlen zu zeigen.
  • Man schlägt nicht die Beine übereinander
  • Da das Essen in Japan einen sehr hohen Stellenwert hat, sollte man nicht auf offener Straße im Gehen essen. Zum Einnehmen von Speisen sollte man sich hinsetzen. Stäbchen werden nur zum Essen benutzt.
  • Getränke werden stets vom Gastgeber eingeschenkt. Man füllt sich sein Glas nicht selbst. Sollte der Gast nicht wollen, dass aufgefüllt wird, so belässt dieser einen Rest im Glas. Ein leeres Glas bedeutet für den Gastgeber die Bedürfnisse des Gastes noch nicht befriedigt zu haben.
  • Das eigene Sushi darf nicht in ein gemeinsames Schälchen mit Sojasoße getunkt werden, sondern es muss Soße auf ein separates Schälchen gegossen werden.
  • Wasabi oder Essen von einer von mehreren Personen geteilten Platte wird mit den umgedrehten Enden der Essstäbchen aufgenommen und nicht mit der Seite von der gegessen wird.
  • Es ist üblich, Wasabi mit der Sojasoße in einem separaten Schälchen zu vermengen, das direkte Aufbringen des Wasabi auf dem Sushi ist aber akzeptiert.
  • Da Tod und Leben im Alltag akribisch voneinander getrennt werden, ist es mehr als unhöflich, seine Essstäbchen in eine mit Reis gefüllten Schale zu stecken. Die Assoziation zu der länglicheren Variante der Essstäbchen, welche dazu verwendet werden die Knochen aus der Asche des Verstorbenens in die Urne zu füllen, liegt zu nahe.
  • In manchen Stadtbezirken ist das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten. Aufgemalte Verbotsschilder auf den Gehwegen weisen darauf hin. Eine Zuwiderhandlung wird als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bestraft.
  • In Bussen und U-Bahnen haben einige Sitze eine andere Farbe. Sie sind für ältere Menschen reserviert.
  • Es ist verpönt, in öffentlichen Verkehrsmitteln zu telefonieren, SMS versenden ist hingegen verbreitet und akzeptiert

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